Hertha entlässt Favre

Lucien Favre

Nun ist es also doch passiert. Wie ich heute auf den Internetseiten der Sportschau lesen musste, hat Michael Preetz stellvertretend für Hertha BSC Lucien Favre als Trainer von seinen Pflichten entbunden.

Für mich persönlich ist das besonders schade, weil ich Lucien Favre für den besten Trainer halte, den Hertha BSC seit dem Wiederaufstieg 1997 hatte. Für mich konnte man deutlich erkennen, was Favres Arbeit wert war. Nicht zuletzt auch am Abschneiden letzte Saison. Auch in den ersten drei Bundesligaspielen fand ich das Auftreten der Mannschaft entgegen dem Ergebnis gar nicht so schlecht, wie es im Nachhinein geschrieben wurde. Es sind aber in der Tat Qualitäten der letzten Saison verloren gegangen, die Chancenverwertung ist mangelhaft und vom magischen Abwehrdreieck Friedrich-Simunic-Drobny ist auch nicht mehr als eine vage Erinnerung an bessere Zeiten übrig. Gerade knappe Spiele über die Zeit zu bringen oder wenigstens nicht zu verlieren, war etwas, das Hertha die letzte Spielzeit noch auszeichnete. – Nun fängt man sich reihenweise dumme Tore.

Aber ist diese Entwicklung nun einzig dem Trainer anzulasten? Lucien Favre wird eine verfehlte Einkaufspolitik vorgeworfen. Aber was soll ein Trainer bitte machen, wenn er aus wirtschaftlichen Gründen einen Transferüberschuss von fünf Millionen Euro erzielen muss? – Dass Simunic von Favre “rausgeekelt” wurde, war zu lesen. Aber ehrlich? Simunic hat seinen Abgang von Hertha doch wohl eher selbst inszeniert, er wollte mit nunmehr 31 Jahren noch einen letzten großen Vertrag abgreifen. – Dass das “magische Dreieck” gesprengt wurde, ist also nicht Favres Schuld. – Dass sich Marco Pantelic selbst aus der Mannschaft gepokert und Andrey Woronin finanziell nicht zu halten war, auch nicht.

Nein, entscheidende Leistungsträger fehlen zu oft verletzungsbedingt oder sind angeschlagen (Drobny, Ebert, Kacar, Rafael, …), andere befinden sich offenbar in einem historischen Formtief (Friedrich, Cicero, Wichniarek, …). Dazu kommt, dass sich ein Spieler wie Florian Kringe, der extra geholt wurde, um mit seiner Erfahrung Sicherheit und Ruhe ins Spiel zu bringen, auch gleich im zweiten Spiel verletzt. Dann ist da noch ein Pokalspiel, in dem man wirklich alles versucht, zurückkommt, sich ein Chancenplus erarbeitet, außer Gabor Kiraly dann aber nur den Pfosten trifft und völlig unverdient aber folgerichtig im Elfmeterschießen ausscheidet… – Das alles sind die Zutaten, die zu einer solchen Abwärtsdynamik führen, an deren Ende dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit immer die Entlassung des Trainers steht. Das war bisher in jedem Bundesligaverein so und heute hat sich gezeigt, Hertha ist da keine Ausnahme.

Mir bleibt zu hoffen, dass sich nunmehr unter einem anderen Trainer (vielleicht ja wirklich Jürgen Röber, meine Mama würde sich freuen) alles wieder zum Positiven entwickelt. Die Mannschaft hat auf jeden Fall die Klasse, selbige zu erhalten. – Und das ist nicht zu letzt Lucien Favres Verdienst!

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